Vorteile von Pflege und Beruf für Unternehmen

Die Vorteile einer guten Vereinbarkeitsstrategie[1] sind:

  1. Beschäftigte sind leistungsfähiger, gesünder und motivierter.
    Dies zeigt sich durch
  2. weniger Fehlzeiten
  3. weniger krankheitsbedingte Ausfälle
  4. Beschäftigte identifizieren sich mehr mit dem Unternehmen.

Dies zeigt sich durch

    1. Stabilität der Belegschaft
    2. Fachwissen und Kompetenz, das im Unternehmen bleibt
    3. geringere Kosten (durch weniger Personalsuche und Einarbeitung)

„Eine Vielzahl von Studien hat bereits die Relevanz einer familienfreundlichen Unternehmenskultur für den Unternehmenserfolg nachgewiesen.“[2]

Meistens wird im Zusammenhang mit dem Begriff „Familienfreundlichkeit“ über Eltern kleiner Kinder gesprochen. Es gibt jedoch auch noch andere Themen, die das Miteinander von Beruf und Privatleben erschweren können. Einige von Ihnen sind mehr oder weniger Tabuthemen. Dazu zählt auch das Thema „Angehörigenpflege“. Es lohnt sich daher für Unternehmen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch im Hinblick auf häusliche Pflege zu fördern und den Begriff „Familien-freundlichkeit“ nicht nur auf die Elternrolle zu reduzieren.

Kaum ein Unternehmen weiß, wie viele seiner Beschäftigten in die Pflege von Angehörigen involviert sind. Umso schwieriger ist es dann auch, adäquate Maßnahmen zur Unterstützung dieser Beschäftigtengruppe zu entwickeln. Von den möglichen Folgen solcher Fälle nicht gelungener Vereinbarkeit ganz zu schweigen: Überlastung, Fehlzeiten und Burn-out.“[3]

„Unternehmen können ihre Beschäftigten unterstützen, indem sie das Thema aktiv ansprechen.“[4]

Auch die Bundesregierung hat die wachsenden Bedarfe häuslicher Pflege in Bezug auf die Erwerbstätigkeit im Blick. 2020 wurde unter Federführung von Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) die „Nationale Demenzstrategie“ (NDS) verabschiedet. Eines der vier Handlungsfelder ist darauf ausgerichtet, die Menschen mit Demenz und deren Angehörigen zu unterstützen. Kapitel 2.6 der NDS widmet sich speziell dem Thema: „Vereinbarkeit von Pflege und Beruf für Frauen und Männer verbessern.“[5] Eine der Maßnahmen, um dies zu erreichen ist die Förderung von Betrieblichen Pflegelotsen. Der Freistaat Sachsen wird, wie alle Bundesländer, bis Ende 2024 aufgefordert, Programme anzubieten, die die Belegschaft mit demenzspezifischen Kenntnissen qualifiziert. Aus diesem Grund widmet sich Kapitel 10 ausschließlich dem Thema „Demenz“.

„Vor die Entscheidung gestellt, würden 57 Prozent der Beschäftigten, die bisher keine Pflegeaufgaben wahrnehmen, ihre Angehörigen selbst pflegen. 79 Prozent aller Berufstätigen im Alter zwischen 25 und 59 Jahren glauben aber, dass sich Pflegeaufgaben und berufliche Tätigkeit nur schwer vereinbaren lassen.“[6]

Daher ist es wichtig, den Blick verstärkt auf die belastende Situation von pflegenden Angehörigen im Zusammenhang mit familienfreundlicher Personalpolitik auszurichten. Eine Möglichkeit die betrieblichen Rahmenbedingungen zu verbessern, ist das Angebot eines Betrieblichen Pflegelotsen. Mit den Betrieblichen Pflegelotsen wird ein interner Ansprechpartner für das Thema „Pflege“ installiert, der die Ratsuchenden verfügbare Informationen bereitstellt, über eigene Erfahrungen berichtet oder sie an die nächste Anlaufstelle vermittelt.

 

[1] BMFSFJ 2021, S. 21
[2] BMFSFJ 2019a, S. 12
[3] BMFSFJ, 2020, S.35
[4] BMFSFJ 2015, S. 91
[5] BMG und BMFSFJ 2020, S. 68 - 71
[6] BMFSFJ 2015, S. 102

 

Welchen Nutzen haben Pflegelotsen für Unternehmen?

Betrieblichen Pflegelotsen sind eine Maßnahme, die von Unternehmen freiwillig angeboten werden kann. Die evangelische Hochschule Nürnberg zählt folgenden Nutzen von Pflegelotsen für Unternehmen auf:

  • Prävention von Überlastung der Mitarbeiter

Mitarbeiter werden durch Beratung entlastet und sind dadurch zufriedener. „Wenn die ständige Sorge um die pflegebedürftigen Angehörigen verringert ist, werden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zudem ihren beruflichen Verpflichtungen wieder besser nachkommen können.“[7]

  • Mitarbeiterbindung

    „Private Belastungssituationen und berufliche Herausforderungen können bewältigt werden, so dass auch die Identifikation mit dem Arbeitgeber steigt.“ [8]

  • Wissensmanagement

Eine wichtige Aufgabe von Betrieblichen Pflegelotsen ist die Weitergabe von Informationen zu gesetzlichen Regelungen. Die Mitarbeitenden haben dadurch „(…) im Unternehmen kompetente Ansprech-partnerinnen und Ansprechpartner, so dass die ansonsten oft sehr aufwändige Suche nach Hilfsmöglichkeiten verkürzt wird. So kann es den Mitarbeitenden gelingen, durch die Unterstützung ihres Arbeitgebers, sich gleichzeitig um ihre Angehörigen zu kümmern und ihrer Berufstätigkeit nachzukommen.“[1]

  • Bessere Planbarkeit

Hinsichtlich einer bevorstehenden Familienpflegezeit, lässt sich der Arbeits-ausfall besser planen. Mit einer offenen Gesprächskultur kann z.B. auch die Fehlzeit durch Krankmeldung reduziert werden. Manchmal erfordert der Alltag von Pflegepersonen spontanes Handeln, z.B. aufgrund einer wichtigen Pflegetätigkeit, eines Arztbesuch, der kurzfristig eine Begleitung notwendig macht oder einer anderen Akut-Situation im Haushalt des Pflegebedürftigen. In einer guten Arbeitsatmosphäre kann der Mitarbeiter die Fehlzeit offen ansprechen und den Arbeitszeitverlust ausgleichen.

  • Steigerung der Arbeitgeber-Attraktivität:

Durch eine familienfreundliche Personalpolitik steigert der Arbeitgeber seine Attraktivität gegenüber Fachkräften. Dadurch erhält das Unternehmen eine bessere Positionierung im Wettbewerb mit anderen Unternehmen ohne Pflegelotsen.

  • Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung als „sozialer“ Arbeitgeber:

„Arbeitgeber werden ihrer gesell-schaftlichen Verantwortung um die Fürsorge der Mitarbeitenden und deren Angehörigen gerecht“[2]

[1] https://www.evhn.de/forschung/forschungsinstitute/institut-fuer-pflegeforschung-gerontologie-und-ethik/abgeschlossene-projekte

[2] https://www.evhn.de/forschung/forschungsinstitute/institut-fuer-pflegeforschung-gerontologie-und-ethik/abgeschlossene-projekte