Wieviel Zeit braucht Pflege?

Wieviel Zeit braucht Pflege?

Kritiker könnten nun behaupten, dass die häusliche Pflege zwar von der Gruppe der Erwerbstätigen geleistet wird, jedoch an sich nicht viel Zeit in Anspruch nimmt. Daher stellt sich die Frage, ob man dies ohne Probleme „nebenbei“ machen könnte. Um diese Frage zu beantworten, muss man einen Blick darauf werfen, wieviel Zeit die Pflege eines An- und Zugehörigen wirklich in Anspruch nimmt.

Diese Abbildung zeigt die Anzahl der durchschnittlich geleisteten Pflegestunden der Pflegepersonen je Tag in der Altersgruppe der 30- bis 59-jährigen nach Erwerbsstatus. Je mehr die Pflegenden arbeiten, desto weniger Zeit bringen sie für die informelle Pflege auf. Im Wochendurchschnitt kommt man so auf eine tägliche Stundenzahl von 1,2 Stunden bei Vollzeitbeschäftigten, 1,6 Stunden bei Teilzeit-Beschäftigten und 1,9 Stunden bei den sog. Minijobbern. Personen ohne Erwerbsstatus hingegen pflegen im Schnitt 3,7 Stunden. Voll- und Teilzeitkräfte pflegen an den Wochenenden etwas länger. Zu der eigentlichen Wochenarbeitszeit kommen so zwischen 8,4 bis 13,3 Stunden zusätzlich hinzu.

Deutlich wird auch, dass die Pflegepersonen an den Wochenenden mehr pflegen. „Am Wochenende pflegen die Berufstätigen meist etwas länger – vermutlich holen sie dann Erledigungen für ihre Angehörigen nach, die sich unter der Woche nicht mit dem Job vereinbaren lassen.“[1] Die Erholungs- und Ruhephasen sind dadurch für berufstätige Pflegende geringer. Dies stellt auf Dauer eine Belastung dar die sich in geringerer Leistungsfähigkeit und erhöhten Fehlzeiten im betrieblichen Kontext bemerkbar macht. Auf die besondere Lebenssituation pflegender Angehöriger und deren gesundheitliche Belastungen wird im Kapitel 6.2 näher eingegangen.

[1] https://www.iwd.de/artikel/beruf-und-betreuung-als-doppelte-herausforderung-495534/