Einleitung

Die Versorgung älterer Menschen ist neben dem Klimawandel eine der zentralen Zukunftsaufgaben Deutschlands. Durch den Anstieg älterer Menschen in der Bevölkerung und gleichzeitigem Rückgang der Geburtenrate kommt es zu einem demographischen Wandel in der Gesellschaft. Während in Deutschland 2018 rund 19 % der Bevölkerung 67 Jahre und älter war, wird der Anteil der 67-jährigen im Jahr 2050 voraussichtlich auf 27 % Anteil an der Bevölkerung ansteigen.[1] Bereits 2006 zählten „(…) 80-jährige und ältere zu der am schnellsten wachsenden Bevölkerungsgruppe. Mehr als zwei Drittel der Leistungsempfänger der Pflegeversicherung sind 85 Jahre alt oder älter“[2].  

Eine weitere Herausforderung betrifft den ländlichen Raum. Durch die Mobilität unserer Gesellschaft und der Ballung von wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen in den Städten, kommt es zusätzlich zum Rückgang jüngerer Bevölkerungsgruppen in ländlichen Gegenden. Die Landkreise im Freistaat Sachsen sind besonders von dieser Bevölkerungsentwicklung betroffen. Während 1990 rund 4,7 Millionen Menschen in Sachsen lebten, waren es 2014 nur noch 4.055.300 Menschen. Verschiedene regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnungen sehen von 2014 bis 2030 Bevölkerungszuwächse in Dresden von 8,7 % – 10,3 % und Leipzig von 11,9 % – 13,4 %, während in allen anderen Landkreisen und der kreisfreien Stadt Chemnitz die Bevölkerung abnimmt. Für den Landkreis Mittelsachsen geht man davon aus, dass 2030 rund 7,7 % – 12,3 % weniger Menschen leben werden als 2014.[3]

[1] https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/#!y=2050

[2] https://www.aerzteblatt.de/archiv/50486/Demographischer-Wandel-Herausforderungen-fuer-die-Pflege

[3] https://www.demografie.sachsen.de/Bevoelkerungsentwicklung.pdf

Die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland hat sich innerhalb von 20 Jahren von 1999 bis 2019 verdoppelt: während 1999 noch 2.016.000 pflegebedürftige Menschen in Deutschland lebten, waren es 2019 insgesamt 4.128.000 Menschen.[1] Gleichzeitig steigt neben dem generellen Risiko, im Alter pflegebedürftig und auf Hilfe anderer angewiesen zu sein, auch das Risiko an einer Demenz zu erkranken. Weltweit steigt die Zahl der Menschen mit Demenz. In Europa geht man 2030 von 14,8 Millionen Menschen mit Demenz aus. Man schätzt, dass sich im Jahr 2050 diese Zahl auf 20,8 Millionen erhöhen wird.[2] 

Dies stellt viele Familien vor besondere Herausforderungen und führt zu vielseitigen Belastungen. Frauen sind dabei stärker betroffen als Männer, da die häusliche Pflege mehrheitlich von Frauen übernommen wird. [3]  „Über 40 Prozent der Pflegebedürftigen (..) sind über 80 Jahre alt. Gut 60 Prozent geben an, oft oder immer Hilfe bei täglichen Tätigkeiten wie dem Gang zur Toilette, morgendlicher Badroutine, Einkaufen oder der Zubereitung von Essen zu haben. Knapp 40 Prozent der Haushalte mit Pflegebedarf sind Einpersonenhaushalte, die Pflege muss für diese also extern organisiert werden. In Mehrpersonenhaushalten leisten in erster Linie die Partnerin beziehungsweise der Partner und/oder Kinder Pflege. Die informelle Pflege wird in 80 Prozent der Pflegehaushalte in mehr oder minder großem Umfang privat von Familienangehörigen oder Freunden geleistet. In gut der Hälfte der Haushalte (knapp 53 Prozent) mit Pflegebedarf wird ausschließlich informell Pflege geleistet (..). Die Familie ist also der größte „Pflegedienst“ in Deutschland. In 30 Prozent der Pflegehaushalte gibt es eine Kombination von informeller und formeller (professioneller) Pflege. (…) Umso wichtiger sind Maßnahmen, um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu verbessern.“ [4]

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2722/umfrage/pflegebeduerftige-in-deutschland-seit-1999

[2] https://de.statista.com/infografik/1705/geschaetzte-faelle-von-demenz-weltweit/

[3] https://de.statista.com/infografik/21576/anteil-der-informell-pflegeleistenden-in-deutschland-nach-alter-und-geschlecht/

[4] Fischer B. und Geyer J. (2020), S. 2 und S.5

Um auf die individuellen Situationen angemessen reagieren zu können, bedarf es vielseitig gestaltbarer Unterstützungs- und Hilfsangebote. Da viele Personen Schwierigkeiten mit der Antragstellung und mit dem Überblick über die Vielzahl der gesetzlichen Regelungen haben, müssen die Angebote leicht erreichbar und verfügbar sein.

Genau diese Möglichkeit der Unterstützung bieten Betreuungs- und Entlastungsangebote im Alltag. Betreuungs- und Entlastungskräfte können als Lotsen den pflegenden Angehörigen schnell Informationsmaterial liefern, über das vorhandene Angebot vor Ort aufklären und an entsprechende Fachpersonen zur Beratung verweisen. Die informelle Pflegetätigkeit wird oft von der Pflegeperson als belastend empfunden, wenn diese ausschließlich von einer Person erbracht wird. Die dauerhaft psychische Belastung kann zu einer Überforderung führen. Ändert sich nichts an der Pflegesituation, wandelt sich die persönliche Überforderung in chronischen Stress, der ein Burnout verursachen kann. Burnout führt zu mangelnder Empathiefähigkeit, was sich allgemein in Form von „Abstumpfen“ äußert. Dabei ist Empathie ein wichtiges Kriterium für eine gute Pflegeversorgung.  Häufig führt ein Burnout bei der Pflegeperson zu Gewalt in der Pflege und prekären Pflegesituationen. Daher ist es wichtig, die Bedürfnisse von pflegenden Angehörigen zu verstehen und im Rahmen der Qualifizierung auf die besondere Lebenssituation pflegender Angehöriger einzugehen.