Umgang mit Depressiven Menschen

Umgang mit depressiven Menschen

In der Häuslichkeit ist es für Sie als Anbieter von Betreuungs- und/oder Entlastungsleistungen wichtig, sich mit den Akteuren, die bei der Versorgung mitwirken, in einer gemeinsamen Fallbesprechung über begleitende Maßnahmen und Umgangsformen einig zu werden.

Eine psychotherapeutische Behandlung in Seniorenheimen ist leider (wenn überhaupt) die Ausnahme. Dabei gibt es eigentlich keinen Grund, rein aufgrund des Alters eine Ausnahme zu machen:

„Bei kognitiv beeinträchtigten Patienten ist es wenig aussichtsreich, tiefenpsychologische Ansätze anzuwenden. Diese Patienten können aber von einer supportiven Therapie und einer Begleitung wichtiger Bezugspersonen profitieren. Entgegen einer immernoch weitverbreitenden Skepsis sind bei älteren Menschen mit intakten kognitiven Funktionen psychotherapeutische Behandlungsansätze sinnvoll, wobei sich besonders die Kognitive Verhaltenstherapie und die Interpersonelle Therapie bewährt haben.“[4]


[4] Weyerer & Bickel 2007, S.124

Die ergänzende Behandlung (als notgedrungene Alternative der Psychotherapie) zur medikamentösen Therapie erfolgt daher durch das Netzwerk und jeden einzelnen Akteur. Insbesondere die Mitarbeiter von Betreuungsangeboten sind dafür vorgesehen, sich primär um die psychischen Bedürfnisse der Bewohner zu sorgen. Aus diesem Grund ist ein fachlicher Austausch für eine optimale Pflege und Betreuung unerlässlich.

Im ambulanten Bereich können Sie gegebenenfalls anregen, dass die Angehörigen als Bezugspersonen einbezogen werden um den Klienten zur Teilnahme und Akzeptanz therapeutischer Maßnahmen zu motivieren. Angehörige selbst können z.B. Hilfe und Unterstützung in Selbsthilfegruppen finden. Eine professionelle psychotherapeutische Behandlung (unter Abklärung mit kognitiven Funktionsstörungen) ist im ambulanten Bereich z.T. noch leichter zu realisieren als in einem Seniorenheim. Selbstverständlich muss auch im ambulanten Bereich eine medikamentöse Therapie eingesetzt werden und ein Facharzt ist aufzusuchen. Alternativ zur sozialen Betreuung im Heim, sollte hierbei das soziale Umfeld involviert werden.

Problem: Geeigneten Psychotherapeuten finden

Das soziale Umfeld besteht in aller Regel neben den Angehörigen möglicherweise auch aus Pflegekräften, Betreuungskräfte, Nachbarschaftshelfern, Alltagsbegleiter /-helfer, Haushaltshilfen, Ehrenamtlichen und häufig auch die Nachbarn.

Wie kann das soziale Umfeld dem Betroffenen helfen?

 „Menschen mit Depressionen brauchen durch Angehörige
und das übrige soziale Umfeld:

  •  Zuwendung, Geduld und Zeit,
  • Wertschätzung zur Verbesserung des Selbstwertgefühls und Akzeptanz, damit sich der Kranke selbst akzeptieren kann,
  • Klare Argumentation und Offenheit dem Patienten gegenüber,
  • Kenntnis der Biografie des Kranken, um ihn zu seinen Lieblingsbeschäftigungen und Aktivitäten zu ermutigen, die zur Aufhellung seiner Stimmung beitragen können (!)
  • Die Vermittlung von Hoffnung, dass die Krankheit behandelbar ist, wenn der Kranke professionelle Hilfe in Anspruch nimmt.“[5]

[5] Schneider & Nesseler 2011, S. 71