Therapie und Behandlung von Altersdepressivität

Therapie und Behandlung von Altersdepressivität

Die besten Heilungschancen ergeben sich aus der Kombination von medikamentöser Behandlung und Psychotherapie. Steinbach (2011) empfiehlt zudem noch zusätzlich eine seelsorgerische Begleitung. In der S-3 Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) werden evidenzbasierte (= wissenschaftlich als erfolgreich bewiesene) und in der Praxis erprobte therapeutische Maßnahmen aufgelistet. In aller Regel sollte ein Facharzt (Neurologe/Psychiater) konsultiert werden. Der Hausarzt kann hierfür eine Überweisung ausstellen. Achten Sie alledings auf Selbstmordäußerungen und hinterfragen Sie etwaige Andeutungen.

„Bei schwerer Depression oder Selbstmordgefahr muss die Einweisung in ein Krankenhaus auf geschlossener Station erfolgen.“[9]

Medikamentöse Therapie:

  • Antidepressiva:
    • tri- und tetrazyklische Antidepressiva,
    • selektive Serotonin-Rückaufnahme-Hemmer,
    • selektive Noradrenalin-Rückaufnahme-Hemmer,
    • selektive Serotonin-/Noradrenalin-Rückaufnahme-Hemmer
    • Monoaminoxidase-Hemmstoffe
  • zum Teil Sedativa
  • Stimmungsstabilisierer (v.a. bei bipolarer Störung)
  • unter Umständen auch schmerzlindernde Mittel für die körperlichen Symptome

„Die Wirkung von Antidepressiva auf einem Blick:

  • Wirkung gegen das depressive Gesamtsyndrom
  • Fortschreitende Verbesserung des Zustands,
  • Erfolg sehr häufig
  • Alle Depressionen können heute weitaus besser als früher mit nebenwirkungsärmeren Medikamenten behandelt werden,
  • Antidepressiva sind auch zur Rückfallverhütung bei abklingender depressiver Episode hilfreich und notwendig“[10]

Generell gilt bei der medikamentösen Therapie von Depressionen:

  • Wirkung erst nach 3-4 Wochen!!!
  • Unterschiedlich antriebssteigernde oder antriebsdämpfende Wirkung
  • Unterschiedlich stark stimmungsaufhellend
  • Verminderung des Leidensdrucks und Verbesserung der Symptome
  • Erleichterung der nicht-medikamentösen Behandlung und der psycho-sozialen Betreuung
  • Keine Heilung der Erkrankung durch alleinigen Einsatz von Psychopharmaka, da mögliche psycho-soziale Auslöser und Ursachen der Erkrankung nicht beseitigt werden

Was ist speziell bei älteren Menschen im Hinblick auf die medikamentöse Behandlung zu beachten?

  • Niedrigere Dosierung und langsamere Höherdosierung der Antidepressiva
  • Nebenwirkungen und Verträglichkeit stärker beachten
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten mitbeachten
  • Angehörige und professionelle Helfer (Pflegekräfte und Pflegehelfer) müssen den Arzt dabei unterstützen und tragen eine wichtige Verantwortung:
  •  „Sie kennen den Depressiven persönlich besser als den Arzt, der in der Therapie auf sie angewiesen ist,
  • Pflegekräfte verteilen die Medikamente und sind deshalb dafür verantwortlich, dass der richtige Patient auf der Station das richtige Medikament in der richtigen Dosis, in der richtigen Form zur richtigen Zeit erhält und beobachten Nebenwirkungen früher als der Arzt,
  • Angehörige und Pflegekräfte kennen oft die vom Kranken >>heimlich<< eingenommenen Mittel,
  • Angehörige wie Pflegekräfte können in den Heimen Vielverordnungen beeinflussen, d.h., zu der Verordnung vieler und starker Medikamente beitragen, wenn sie z.B. die ständige Unruhe eines Kranken nicht mehr ertragen,
  • Es besteht die Gefahr, dass die erforderliche Zuwendung durch Psychopharmaka ersetzt wird.[11]

[9] Steinbach 2011, S. 47
[10] Schneider & Nesseler 2011, S. 79
[11] Schneider & Nesseler 2011, S. 82