Welche Ratschläge können Sie Angehörigen von depressiv erkrankten Menschen geben?

Welche Ratschläge können sie Angehörigen von depressiv erkrankten Menschen geben?

Besonders im ambulanten Bereich, wo die Angehörigen die meiste Zeit mit dem Pflegebedürftigen verbringen, ist eine intensive Zusammenarbeit wichtig. Es ist daher wichtig das gemeinsame Ziel der Pflege zu betonen und die notwendigen Voraussetzungen für die Pflege zu schaffen. Dazu kommt: Angehörige fühlen sich häufig überfordert und hilflos. Die Angehörigen sind daher oft auf ihre fachliche Einschätzung angewiesen und in der Regel dankbar, wenn Sie ihnen kompetente Ratschläge geben können.[6]

Ziel der Pflege

Das Ziel der Pflege eines depressiven älteren Menschen durch Angehörige muss es sein,

  • seine Lebensqualität zu verbessern,
  • je nach seiner Biografie und seinen Interessen Beschäftigung und Alltagsfertigkeiten zu fördern,
  • seine Selbstständigkeit zu erhalten,
  • Beziehungen aufzubauen und zu erhalten und
  • seine soziale Integration zu fördern.

[6] vgl. Schneider & Nesseler, 2011

Voraussetzungen für eine gute pflegerische Versorgung

Gute Voraussetzungen für die Pflege eines depressiven älteren Menschen sind gegeben, wenn die Angehörigen…:

  • sich einfühlen können und dabei wahrnehmen können, wo ihre eigenen Anteile sind – Worin erkennen sie sich selbst wieder? (Erkennen eigener Grenzen, Motive und Projektionen)
  • den Kranken vollständig mit seinen Restfähigkeiten sehen können (Ressourcenorientierung),
  • die Erkenntnis zulassen können, dass die Erkrankung auch von ihrer Beziehung zu dem Erkrankten abhängen kann (Fähigkeit zur Selbstreflexion)
  • andere Angehörige, Freunde und gute Bekannte mit einbeziehen können (Soziale Kontakte für den Erkrankten und Unterstützung für den pflegenden Angehörigen)

Grundsätze einer Begleitung

Grundsätze einer Begleitung in der Pflege und Versorgung gerontopsychiatrisch Erkrankter sind der Fokus auf:

  • körperliche Grundbedürfnisse und Leiden (Pflege)
  • emotionales Wohlbefinden (Pflege, Betreuung, Entlastung)
  • geistiges Training (Betreuung)
  • Akzeptanz (Pflege, Betreuung, Entlastung)
  • Eine Umgebung, die eine Orientierung erleichtert (Betreuung, Entlastung)

„Was Angehörige einerseits vermeiden, anderseits für sich tun sollten

 Es gibt eine ganze Reihe sogenannter >>gut gemeinter<< Ratschläge, die Sie unbedingt vermeiden sollten. Greifen Sie stattdessen wichtige Empfehlungen auf, damit Sie nicht selbst in den Sog der depressiven Erkrankung geraten:

  • Vermeiden Sie Apelle und Aufforderungen, denen der Kranke nicht nachkommen kann und die sein Unglück nur noch verschärfen, wie >> Reiß dich zusammen und komm endlich mal in die Gänge!<<
  • Raten Sie nicht zu wichtigen Entscheidungen wie Trennung, Scheidung und dergleichen
  • Lügen Sie die Patienten nie an in dem Wunsch, schlechte Nachrichten zu vermeiden, seien Sie immer offen und ehrlich.
  • Vermeiden Sie oberflächlichen Trost und Sprüche wie >>Das wird schon wieder…<<
  • Versuchen Sie, nicht ungeduldig zu sein, bzw. ungeduldig auf den Kranken zu wirken.
  • Vermeiden Sie möglichst Streit mit dem Depressiven und lassen Sie sich auf keine Diskussionen ein, wer von Ihnen z.B. in einer bestimmten Angelegenheit Recht hat.
  • Wenn Suizidgefahr besteht, sollten Sie dem Depressiven nicht allein lassen und unmittelbar professionelle Hilfe holen. Akute Suizidalität ist ein Notfall, und die Versorgung muss stationär in einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik erfolgen!
  • Umsorgen Sie den Kranken (dennoch) nicht übermäßig, den eine übertrieben Fürsorge treibt ihn nur in noch größere Hilflosigkeit.
  • Überschätzen Sie Ihre eigenen Möglichkeiten nicht. Das Bewusstsein der eigenen Unzulänglichkeit bzw. Grenzen bewahrt Sie davor, den Retter zu spielen. Auf diese Weise haben Sie die Chance, als medizinischer Laie mit eigenen Grenzen besser umzugehen, ohne zu resignieren.
  • Lassen Sie professionelle Hilfe auch für sich selbst zu. Die Angehörigen müssen selbst stark sein, um ihrem Patienten beistehen zu können!“[7]

[7] Schneider & Nesseler 2011, S. 73f

Da es sich hierbei um allgemeine Empfehlungen im Umgang mit depressiven Menschen handelt, sollten stets vorleben, was für Angehörige ratsam ist! Sie übernehmen hierbei aufgrund der Wahrnehmung Ihrer Berufstätigkeit und möglichen Erfahrung eine wichtige Vorbildfunktion und haben deshalb eine große Verantwortung, derer Sie sich bewusst sein sollten!

Welche 5 Tipps werden in dem Video genannt?