1.1 Altersdepression

Depressionen im Alter

Während dementielle Erkrankungen die häufigste psychiatrische Diagnose bei über 80-Jährigen ist, ist es bei den über 60-Jährigen die Depression. Neben der Demenz ist die Depression die häufigste psychische Erkrankung im Alter. Jeder 7. Bis 8. Mensch über 65 Jahre leidet an Depression. In Pflegeheimen sind es ca. 30-40% der Bewohner. Suizid(versuche) im Alter stehen in einer engen Verbindung mit Depression.[1]

Im Alter äußert sich eine Depression oftmals durch vegetative Störungen (siehe somatische Symptome), hypochondrische Befürchtungen und körperliche Angst-Symptome, d.h.:

„Die Angst wird von alten Menschen nicht mehr als Gefühl wahrgenommen, sondern als Körper-Symptom.“ [2] z.B. Schwindel, Herzklopfen/Herzrasen (Tachykardie), Schweiß-ausbruch (Angstschweiß). 

Auch kognitive Störungen (Pseudodemenz), Paranoide (wahnhafte) Symptome und Todesgedanken (Angst vor dem Sterben, Suizidgedanken, Gefühle des Lebens-Überdruss) können Anzeichen für eine Depression im Alter sein, bzw. treten im Alter bei einer Depression verstärkt auf.


[1] vgl. Schneider und Nesseler, 2011; Steinbach, 2011
[2]
Steinbach 2011, S. 29

Um zu überprüfen ob eine Depression bei einem älteren Menschen vorliegt, empfiehlt sich der Besuch eines Neurologen oder Psychiaters. Ein Facharzt kann mithilfe eines psychologischen Testverfahrens, wie z.B. der „Geriatric Depression Scale“ (GDS) abklären, ob Anzeichen einer Altersdepression vorliegen. Im Anschluss ist gegebenenfalls neben einer Psychotherapie, auch über eine geeignete medikamentöse Behandlung nachzudenken. Mitarbeiter eines Anbieters von Entlastungsleistungen und/oder der sozialen Betreuung müssen sich über eine angemessene, geeignete Umgangsweise und Betreuung innerhalb des Helferkreises untereinander austauschen.

Folgende Fragen sind zu klären:

  • Wie kann die Therapie sichergestellt werden?
  • Wie werden Arztbesuche organisiert?
  • Wie kann die Person motiviert bzw. aktiviert werden ohne diese zu beschämen oder zu überfordern?
  • Wie kann in Krisensituationen angemessen umgegangen werden?

Symptome von Depressionen

Psychische Hauptsymptome:

  1. Depressive Verstimmung: Gefühl der Gefühllosigkeit, Leere, Verzweiflung, tiefe Traurigkeit
  1. Interessenverlust/Anhedonie: keine Freude, kein Interesse, keine Lust an irgendetwas
  1. Antriebsstörungen: kein Antrieb, schnelle Ermüdbarkeit, Untätigkeit, Unzulänglichkeitsgefühl, fehlende Leistung, Energielosigkeit
  1. Kognitive Störungen: Denkhemmung, Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, Pseudodemenz

Beschwerden auf der körperlichen Ebene (Somatische Symptome):

  1. Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafstörungen)
  2. Beklemmungen und Herzbeschwerden (Atemnot)
  3. Beschwerden im Magen- und Darmbereich (Übelkeit, Brechreiz, Durchfall und Stuhlverstopfung)
  4. Appetitlosigkeit
  5. Schmerzen im Rücken und Kopf
  6. Weitere körperliche Beschwerden (z.B. Taubheitsgefühl in Armen, Ohrgeräusche)

Weitere Symptome, die bei Depression auftreten können:

  • Reduzierter Selbstwert und mangelndes Selbstvertrauen: Gefühl der Wertlosigkeit; Erleben der eigenen Person als Belastung für Umwelt
  • Krankhafte Schuldgefühle/ Selbstvorwürfe
  • Pessimistische Gedanken, negative Zukunftsvorstellungen: Gefühl von Erwartungs- und Hoffnungslosigkeit; Gefühl der Sinnlosigkeit des Lebens
  • Angst vor dem Sterben/ Suizidgedanken
  • Wahngedanken: Existenzängste, Verarmungs-, Versündigungswahn
  • Unruhe, Getriebenheit
  • Fehlende Krankheitseinsicht
  • Rat- und Entschlusslosigkeit, Grübelneigung

Mögliche Ursachen von Depressionen

1. Biologische Ursachen

  • Infektion (z.B. Streptokokken, Borellien),
  • Arteriosklerose -> mangelnde Blut/Sauerstoffversorgung des Gehirns
  • Schilddrüsenerkrankung,
  • Depression als Nebenwirkung von Alkohol, Drogen oder Medikamenten
  • Genetische Disposition

2. Soziale Faktoren:

  • Kritische Lebensereignisse („life-events“):
    • Verlust von nahestehenden Personen
    • Scheidung/Trennung
    • Krankheit, Unfall, Einschränkung, Behinderung, Abhängigkeit
    • „Entwurzelung“/Verlust der Wohnung (z.B. Umzug, Wohnung aufgehoben wegen betreutem Wohnen, Seniorenheim)
  • Entlastungen: z.B. Berentung (nach dem Beruf in die Rente gehen ohne Aufgaben – das kann krank machen), Umzug, Beförderung
  • Traumen in Biografie: Missbrauch, Gewalt, Krieg, Flucht(Vertreibung)
  • Überbelastung: Alleinstehende Mütter/Väter, Krankheiten
  • Soziale Isolation (betrifft besonders Menschen, die einsam sind und nicht in eine Gemeinschaft eingebunden sind)

3. Psychologische Ursachen:

  • Neigung zum Perfektionismus: Zu hohe Ansprüche an sich selbst und an andere
  • Ehrgeiz, Selbst-Überforderung
  • Selbstaufgabe/Helfersyndrom
  • Überstrenges, rigides Über-Ich
  • Abhängigkeit, fehlende Autonomie (Abhängigkeit von anderen Menschen und ihren Meinungen, fehlende Selbstständigkeit)
  • Nicht „nein“ sagen können (sich nicht abgrenzen können)
  • Neigungen zur Symbiose (Verschmelzung),
  • Harmoniesucht, Konfliktvermeidung
  • Selbstwert-Probleme (Minderwertigkeitsgefühle)
  • Probleme mit Nähe und Distanz („Nähetyp“)
  • Neigung zu Skrupeln, ungesunden Schuldgefühlen und zum Grübeln

4. Seelische (Spirituelle) Ursachen

Oftmals kommt es im Alter zu Sinnkrisen bis hin zu Sinnverlust, d.h. dem Gefühl keinen Sinn mehr zu haben.

„Oft kommen im Alter noch mehrere körperliche Leiden und Einschränkungen und Schmerzen hinzu, so dass ältere Menschen ohne den lebendigen Glauben an Jesus und ohne Hoffnung jeden Lebensmut verlieren können.“[3]

[3] Steinbach 2011, S. 35

Umgang mit depressiven Menschen

In der Häuslichkeit ist es für Sie als Anbieter von Betreuungs- und/oder Entlastungsleistungen wichtig, sich mit den Akteuren, die bei der Versorgung mitwirken, in einer gemeinsamen Fallbesprechung über begleitende Maßnahmen und Umgangsformen einig zu werden.

Eine psychotherapeutische Behandlung in Seniorenheimen ist leider (wenn überhaupt) die Ausnahme. Dabei gibt es eigentlich keinen Grund, rein aufgrund des Alters eine Ausnahme zu machen:

„Bei kognitiv beeinträchtigten Patienten ist es wenig aussichtsreich, tiefenpsychologische Ansätze anzuwenden. Diese Patienten können aber von einer supportiven Therapie und einer Begleitung wichtiger Bezugspersonen profitieren. Entgegen einer immernoch weitverbreitenden Skepsis sind bei älteren Menschen mit intakten kognitiven Funktionen psychotherapeutische Behandlungsansätze sinnvoll, wobei sich besonders die Kognitive Verhaltenstherapie und die Interpersonelle Therapie bewährt haben.“[4]


[4] Weyerer & Bickel 2007, S.124

Die ergänzende Behandlung (als notgedrungene Alternative der Psychotherapie) zur medikamentösen Therapie erfolgt daher durch das Netzwerk und jeden einzelnen Akteur. Insbesondere die Mitarbeiter von Betreuungsangeboten sind dafür vorgesehen, sich primär um die psychischen Bedürfnisse der Bewohner zu sorgen. Aus diesem Grund ist ein fachlicher Austausch für eine optimale Pflege und Betreuung unerlässlich.

Im ambulanten Bereich können Sie gegebenenfalls anregen, dass die Angehörigen als Bezugspersonen einbezogen werden um den Klienten zur Teilnahme und Akzeptanz therapeutischer Maßnahmen zu motivieren. Angehörige selbst können z.B. Hilfe und Unterstützung in Selbsthilfegruppen finden. Eine professionelle psychotherapeutische Behandlung (unter Abklärung mit kognitiven Funktionsstörungen) ist im ambulanten Bereich z.T. noch leichter zu realisieren als in einem Seniorenheim. Selbstverständlich muss auch im ambulanten Bereich eine medikamentöse Therapie eingesetzt werden und ein Facharzt ist aufzusuchen. Alternativ zur sozialen Betreuung im Heim, sollte hierbei das soziale Umfeld involviert werden.

Problem: Geeigneten Psychotherapeuten finden

Das soziale Umfeld besteht in aller Regel neben den Angehörigen möglicherweise auch aus Pflegekräften, Betreuungskräfte, Nachbarschaftshelfern, Alltagsbegleiter /-helfer, Haushaltshilfen, Ehrenamtlichen und häufig auch die Nachbarn.

Wie kann das soziale Umfeld dem Betroffenen helfen?

 „Menschen mit Depressionen brauchen durch Angehörige
und das übrige soziale Umfeld:

  •  Zuwendung, Geduld und Zeit,
  • Wertschätzung zur Verbesserung des Selbstwertgefühls und Akzeptanz, damit sich der Kranke selbst akzeptieren kann,
  • Klare Argumentation und Offenheit dem Patienten gegenüber,
  • Kenntnis der Biografie des Kranken, um ihn zu seinen Lieblingsbeschäftigungen und Aktivitäten zu ermutigen, die zur Aufhellung seiner Stimmung beitragen können (!)
  • Die Vermittlung von Hoffnung, dass die Krankheit behandelbar ist, wenn der Kranke professionelle Hilfe in Anspruch nimmt.“[5]

[5] Schneider & Nesseler 2011, S. 71

Welche Ratschläge können sie Angehörigen von depressiv erkrankten Menschen geben?

Besonders im ambulanten Bereich, wo die Angehörigen die meiste Zeit mit dem Pflegebedürftigen verbringen, ist eine intensive Zusammenarbeit wichtig. Es ist daher wichtig das gemeinsame Ziel der Pflege zu betonen und die notwendigen Voraussetzungen für die Pflege zu schaffen. Dazu kommt: Angehörige fühlen sich häufig überfordert und hilflos. Die Angehörigen sind daher oft auf ihre fachliche Einschätzung angewiesen und in der Regel dankbar, wenn Sie ihnen kompetente Ratschläge geben können.[6]

Ziel der Pflege

Das Ziel der Pflege eines depressiven älteren Menschen durch Angehörige muss es sein,

  • seine Lebensqualität zu verbessern,
  • je nach seiner Biografie und seinen Interessen Beschäftigung und Alltagsfertigkeiten zu fördern,
  • seine Selbstständigkeit zu erhalten,
  • Beziehungen aufzubauen und zu erhalten und
  • seine soziale Integration zu fördern.

[6] vgl. Schneider & Nesseler, 2011

Voraussetzungen für eine gute pflegerische Versorgung

Gute Voraussetzungen für die Pflege eines depressiven älteren Menschen sind gegeben, wenn die Angehörigen…:

  • sich einfühlen können und dabei wahrnehmen können, wo ihre eigenen Anteile sind – Worin erkennen sie sich selbst wieder? (Erkennen eigener Grenzen, Motive und Projektionen)
  • den Kranken vollständig mit seinen Restfähigkeiten sehen können (Ressourcenorientierung),
  • die Erkenntnis zulassen können, dass die Erkrankung auch von ihrer Beziehung zu dem Erkrankten abhängen kann (Fähigkeit zur Selbstreflexion)
  • andere Angehörige, Freunde und gute Bekannte mit einbeziehen können (Soziale Kontakte für den Erkrankten und Unterstützung für den pflegenden Angehörigen)

Grundsätze einer Begleitung

Grundsätze einer Begleitung in der Pflege und Versorgung gerontopsychiatrisch Erkrankter sind der Fokus auf:

  • körperliche Grundbedürfnisse und Leiden (Pflege)
  • emotionales Wohlbefinden (Pflege, Betreuung, Entlastung)
  • geistiges Training (Betreuung)
  • Akzeptanz (Pflege, Betreuung, Entlastung)
  • Eine Umgebung, die eine Orientierung erleichtert (Betreuung, Entlastung)

„Was Angehörige einerseits vermeiden, anderseits für sich tun sollten

 Es gibt eine ganze Reihe sogenannter >>gut gemeinter<< Ratschläge, die Sie unbedingt vermeiden sollten. Greifen Sie stattdessen wichtige Empfehlungen auf, damit Sie nicht selbst in den Sog der depressiven Erkrankung geraten:

  • Vermeiden Sie Apelle und Aufforderungen, denen der Kranke nicht nachkommen kann und die sein Unglück nur noch verschärfen, wie >> Reiß dich zusammen und komm endlich mal in die Gänge!<<
  • Raten Sie nicht zu wichtigen Entscheidungen wie Trennung, Scheidung und dergleichen
  • Lügen Sie die Patienten nie an in dem Wunsch, schlechte Nachrichten zu vermeiden, seien Sie immer offen und ehrlich.
  • Vermeiden Sie oberflächlichen Trost und Sprüche wie >>Das wird schon wieder…<<
  • Versuchen Sie, nicht ungeduldig zu sein, bzw. ungeduldig auf den Kranken zu wirken.
  • Vermeiden Sie möglichst Streit mit dem Depressiven und lassen Sie sich auf keine Diskussionen ein, wer von Ihnen z.B. in einer bestimmten Angelegenheit Recht hat.
  • Wenn Suizidgefahr besteht, sollten Sie dem Depressiven nicht allein lassen und unmittelbar professionelle Hilfe holen. Akute Suizidalität ist ein Notfall, und die Versorgung muss stationär in einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik erfolgen!
  • Umsorgen Sie den Kranken (dennoch) nicht übermäßig, den eine übertrieben Fürsorge treibt ihn nur in noch größere Hilflosigkeit.
  • Überschätzen Sie Ihre eigenen Möglichkeiten nicht. Das Bewusstsein der eigenen Unzulänglichkeit bzw. Grenzen bewahrt Sie davor, den Retter zu spielen. Auf diese Weise haben Sie die Chance, als medizinischer Laie mit eigenen Grenzen besser umzugehen, ohne zu resignieren.
  • Lassen Sie professionelle Hilfe auch für sich selbst zu. Die Angehörigen müssen selbst stark sein, um ihrem Patienten beistehen zu können!“[7]

[7] Schneider & Nesseler 2011, S. 73f

Da es sich hierbei um allgemeine Empfehlungen im Umgang mit depressiven Menschen handelt, sollten stets vorleben, was für Angehörige ratsam ist! Sie übernehmen hierbei aufgrund der Wahrnehmung Ihrer Berufstätigkeit und möglichen Erfahrung eine wichtige Vorbildfunktion und haben deshalb eine große Verantwortung, derer Sie sich bewusst sein sollten!

Kommunikation – Das helfende Gespräch

Das helfende Gespräch mit dem Kranken[8]

Wenn folgende Kriterien bei einem Gespräch mit dem Depressiven beachtet werden, kann das Gespräch den Genesungsprozess bei einer Depression unterstützen:

1. “Schale öffnen

  • „Aktives Zuhören“. Das bedeutet, die Aussagen des Kranken ernst zu nehmen,
  • Verständnis zu zeigen,
  • Fragen zu stellen, die das Gefühlsleben des Kranken ansprechen.

2. Helfen, die Situation klar darzustellen und zu erkennen:

  • Fördern der „Auseinandersetzung mit sich selbst“,
  • Gegenfragen stellen, bis der Kranke selbst klarer sieht,
  • auf paradoxe (inkonsistente) Kommunikation achten

3. Lösungsmöglichkeiten suchen lassen:

  • keine Ratschläge, keine Lösungsangebote von außen dem Kranken „überstülpen“,
  • verschiedene Handlungsmöglichkeiten suchen und gegeneinander abwägen lassen.
  • Konsequenzen überdenken lassen.

Trotz der sehr guten, allgemeinen Empfehlungen muss man immer im Einzelfall und bewusst entscheiden, wie man im Gespräch vorgeht. Menschen sind nun mal Individuuen und dafür gibt es keine Patentrezepte. Was hier hilft, ist eine empathische und sensible Vorgehensweise, bei der man gleichzeitig authentisch und so “normal” wie möglich bleiben kann.


[8] Schneider & Nesseler 2011, S. 109

Therapie und Behandlung von Altersdepressivität

Die besten Heilungschancen ergeben sich aus der Kombination von medikamentöser Behandlung und Psychotherapie. Steinbach (2011) empfiehlt zudem noch zusätzlich eine seelsorgerische Begleitung. In der S-3 Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) werden evidenzbasierte (= wissenschaftlich als erfolgreich bewiesene) und in der Praxis erprobte therapeutische Maßnahmen aufgelistet. In aller Regel sollte ein Facharzt (Neurologe/Psychiater) konsultiert werden. Der Hausarzt kann hierfür eine Überweisung ausstellen. Achten Sie alledings auf Selbstmordäußerungen und hinterfragen Sie etwaige Andeutungen.

„Bei schwerer Depression oder Selbstmordgefahr muss die Einweisung in ein Krankenhaus auf geschlossener Station erfolgen.“[9]

Medikamentöse Therapie:

  • Antidepressiva:
    • tri- und tetrazyklische Antidepressiva,
    • selektive Serotonin-Rückaufnahme-Hemmer,
    • selektive Noradrenalin-Rückaufnahme-Hemmer,
    • selektive Serotonin-/Noradrenalin-Rückaufnahme-Hemmer
    • Monoaminoxidase-Hemmstoffe
  • zum Teil Sedativa
  • Stimmungsstabilisierer (v.a. bei bipolarer Störung)
  • unter Umständen auch schmerzlindernde Mittel für die körperlichen Symptome

„Die Wirkung von Antidepressiva auf einem Blick:

  • Wirkung gegen das depressive Gesamtsyndrom
  • Fortschreitende Verbesserung des Zustands,
  • Erfolg sehr häufig
  • Alle Depressionen können heute weitaus besser als früher mit nebenwirkungsärmeren Medikamenten behandelt werden,
  • Antidepressiva sind auch zur Rückfallverhütung bei abklingender depressiver Episode hilfreich und notwendig“[10]

Generell gilt bei der medikamentösen Therapie von Depressionen:

  • Wirkung erst nach 3-4 Wochen!!!
  • Unterschiedlich antriebssteigernde oder antriebsdämpfende Wirkung
  • Unterschiedlich stark stimmungsaufhellend
  • Verminderung des Leidensdrucks und Verbesserung der Symptome
  • Erleichterung der nicht-medikamentösen Behandlung und der psycho-sozialen Betreuung
  • Keine Heilung der Erkrankung durch alleinigen Einsatz von Psychopharmaka, da mögliche psycho-soziale Auslöser und Ursachen der Erkrankung nicht beseitigt werden

Was ist speziell bei älteren Menschen im Hinblick auf die medikamentöse Behandlung zu beachten?

  • Niedrigere Dosierung und langsamere Höherdosierung der Antidepressiva
  • Nebenwirkungen und Verträglichkeit stärker beachten
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten mitbeachten
  • Angehörige und professionelle Helfer (Pflegekräfte und Pflegehelfer) müssen den Arzt dabei unterstützen und tragen eine wichtige Verantwortung:
  •  „Sie kennen den Depressiven persönlich besser als den Arzt, der in der Therapie auf sie angewiesen ist,
  • Pflegekräfte verteilen die Medikamente und sind deshalb dafür verantwortlich, dass der richtige Patient auf der Station das richtige Medikament in der richtigen Dosis, in der richtigen Form zur richtigen Zeit erhält und beobachten Nebenwirkungen früher als der Arzt,
  • Angehörige und Pflegekräfte kennen oft die vom Kranken >>heimlich<< eingenommenen Mittel,
  • Angehörige wie Pflegekräfte können in den Heimen Vielverordnungen beeinflussen, d.h., zu der Verordnung vieler und starker Medikamente beitragen, wenn sie z.B. die ständige Unruhe eines Kranken nicht mehr ertragen,
  • Es besteht die Gefahr, dass die erforderliche Zuwendung durch Psychopharmaka ersetzt wird.[11]

[9] Steinbach 2011, S. 47
[10] Schneider & Nesseler 2011, S. 79
[11] Schneider & Nesseler 2011, S. 82